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Lawinen-Drama: Acht Stunden neben toter Freundin begraben
„Wären wir nicht geflogen, dann hätte es da oben zwei Tote gegeben.“ Ein Zufall rettete am Donnerstag dem 35-jährigen Nikolaus H. das Leben.
TT.com -> Hochfügen – „Es stellt auch einem erfahrenen Bergretter die ,Ganslhaut‘ auf, wenn man weiß, dass jemand seit über sechs Stunden unter einer Lawine liegt. Er konnte niemanden alarmieren, da er so lange brauchte bis er an sein Handy kam“, berichtet Michael Knauer, Luft- und Bergretter aus Kaltenbach.„Am Telefon berichtete das Lawinenopfer, dass seine tote Freundin neben ihm liegt. Das berührt einen sehr.“
Das Unglück ereignete sich am Donnerstag. Der 35-jährige Nikolaus H. und seine 27-jährige Freundin, Elke F. aus Hausham in Bayern waren vom 2244 Meter hohen Sonntagsköpfl im Gemeindegebiet Fügenberg am frühen Nachmittag nordseitig in Richtung Maschentalalm abgefahren. Dabei wurden sie von der Lawine erfasst und verschüttet.
Lebensgefährliche Rettung
„Es war einem Zufall zu verdanken, dass der Mann nach der Alarmierung so rasch geborgen werden konnte“, meinte Knauer. Der Grund: „Der Pilot des Heli 4 war zum Glück noch beim Helikopter und führte Wartungsarbeiten durch. Deswegen war er noch da. Im Normalfall hätte es zu diesem Zeitpunkt keinen Notarzthubschrauber in Tirol gegeben.“
Wäre kein Hubschrauber geflogen, wäre ein Einsatz für alle Beteiligten der Rettungsaktion lebensgefährlich gewesen. Denn die Lawine ging in einem sehr schwer zugänglichen Gelände ab. Bei einem Aufstieg in absoluter Dunkelheit hätte es unter diesen Umständen möglicherweise weitere Opfer gegeben. „Es schlagen immer zwei Herzen. Auf der einen Seite der Selbstschutz und auf der anderen die Verantwortung jemanden zu Retten der schon seit Stunden im Schnee liegt. Da fällt einem die Entscheidung schwer. In diesem Fall war es die richtige,“ so Knauer. Im gleichen Atemzug erklärte er, warum ein Nachtflug die besser Wahl war: „Erstens hätten sich die Retter in akuter Lebensgefahr befunden. Und zweitens hat niemand sagen können, wie lange die Bergretter benötigt hätten, bis sie den Mann finden würden. Und die Frage wäre gewesen, wie lange das Handy des Verschütteten funktioniert.“
Aber auch ein Hubschraubereinsatz in der Nacht ist höchst riskant. „In der Nacht ist die Sicht sehr stark eingeschränkt. Man sieht nur den Lichtkegel des Suchscheinwerfers. Das Umfeld kann man nicht beobachten. Aus diesem Grund besteht bei solchen Einsätzen höchste Gefahr für die Retter“, erklärt der Flugretter.
Per Handy navigiert
„Es war sehr schwer, den Lawinenkegel in der Dunkelheit ausfindig zu machen. Der Verschüttete hat uns per Handy über die Leitstelle hinnavigiert.“ An Bord des Hubschraubers waren ein Lawinenhundeführer und ein Bergretter. „Wir haben die beiden abgesetzt. Die Retter haben das Lawinenopfer ausgegraben. Währenddessen haben wir eine Ärztin zur Lawine gebracht. Nach der Versorgung des Überlebenden wurde der Mann in die Klinik geflogen.“ Dass eine Notärztin vor Ort war, ist ebenfalls ein Zufall und dem Einsatzwillen der Rettungskräfte zu verdanken.
Wegen der nicht in Dienst gestellten Hubschrauber war auch kein Notarzt für so einen Einsatz im Bereitschaftsdienst. „Wir haben eine Ärztin aus Mayrhofen angerufen und abgezogen. Sie wurde auf den Landeplatz Mayrhofen gebracht und dort abgeholt.“
Der Mann überlebte, weil er durch ein Loch Luft bekam. Dennoch gab es ein Todesopfer zu beklagen. Für Elke F, die rund acht Stunden neben ihrem Freund Nikolaus H. lag, kam jede Hilfe zu spät. „Alle Beteiligten haben alles gegeben. Wären wir nicht geflogen, dann hätte es da oben zwei Tote gegeben“, so Knauer. Nach Angaben der Innsbrucker Klinik befindet sich Nikolaus H. auf dem Weg der Besserung. (red) Bericht: tt.com






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